Off-Theater nrw -
Theater, Tanz und Kultur

Meza Coronado finalTeilnehmerstimme Fortbildung Tanzpädagogik beim Off-Theater nrw:
Undine Meza Coronado

Der Tanz ist die einzige Konstante in meinem Leben. Seitdem ich denken und fühlen kann, wollte ich immer tanzen. Ich habe als kleines Mädchen mit tänzerischer Früherziehung und Ballett angefangen. Später kamen Jazz, Modern, Flamenco, Hip Hop und Afro dazu.

Ich habe Korean Studies, Kunstgeschichte und Übersetzen für asiatische Sprachen in Deutschland und Korea studiert. Vor und während meines Studiums habe ich freiberuflich Tanz unterrichtet, verschiedene Tanzprojekte geleitet und habe mich ständig auf Workshops fortgebildet, Trainerausbildungen gemacht, mein Repertoire mit Yoga erweitert. Nach meinem Studium in Seoul hat es mich nach Buenos Aires verschlagen, um dort Tango Argentino, mit dem ich in Seoul das erste Mal in Berührung gekommen bin, zu studieren.

Ohne Tanz ging es nicht in meinem Leben. Tanz hat mir immer die Kraft gegeben, das Leben zu meistern. Zu tanzen und Tanz zu unterrichten, mit Menschen zusammen die Freude am Tanz zu teilen, Choreographien zu erschaffen, hat mich schon immer erfüllt. Am Ende einer Stunde in glückliche Gesichter zu schauen, war und ist für mich das Schönste. Dieses Gefühl möchte ich zurückgeben, teilen.

Über den Wunsch, mein Wissen über den Tanz an sich und die Vermittlung von Tanz zu vertiefen sowie meinen Horizont zu erweitern über das, was Tanz ist und sein kann als ich bis dato erfahren durfte, habe ich die Ausbildung zur Tanzpädagogin beim Off-Theater absolviert. Die Ausbildung hat mir endlich den Mut gegeben, meine Träume zu verwirklichen. Im Januar 2021 habe ich meine eigene Tanzschule, das Tanzlabor, eröffnet, wo auch u.a.Improvisation auf Grundlage der Bewegungslehre nach Laban und Kreativer Tanz feste Bestandteile des Kursplans sein werden. Dort wird auch mein zeitgenössisches Tanzprojekt verwirklicht werden, für das ich im letzten Jahr ein Stipendium erhalten habe. Ohne die Fortbildung hätte ich mich wahrscheinlich nicht getraut, mich um ein solches Stipendium zu bewerben oder eine eigene Tanzschule zu eröffnen.

Während der Fortbildung konnte ich oft direkt die gelehrten Inhalte in die Praxis umsetzen. Besonders die Bewegungslehre nach Laban mir hat neue Verständnishorizonte für Tanz und Bewegung in meiner Arbeit eröffnet und meine wahre Kreativität entfalten lassen. Warum schreibe ich wahre Kreativität? Nun, wenn man von bestimmten Tanzrichtungen geprägt ist, die mehr oder weniger kodifiziert sind, ist die Vorstellung von Tanz auf eine gewisse Weise konditioniert, besonders durch das verwendete Tanzvokabular und Bewegungsabfolgen. Zu Beginn der Fortbildung ist es mir schwergefallen, diese Vorstellungen „loszulassen“. Mein Körper war bereit, doch mein Kopf stand mir gelegentlich im Weg. Die wertvollen Ratschläge der Dozenten haben mir geholfen, mich von diesen „Blockaden“ zu befreien und über mich hinauszuwachsen.

Durch die Bewegungslehre nach Laban wurde es mir möglich, mich als Tänzerin noch einmal neu kennenzulernen. Das bedeutete wiederum für meine Arbeit als Tanzschaffende, dass es mir möglich wurde,Tanz so zu beschreiben, dass Bewegungen von allen Teilnehmern viel differenzierter wahrgenommen und ausgeführt werden konnten. Somit können alle Tänzer ihr Potential voll auszuschöpfen, vor allem beim Improvisieren. Die Methodik, die in der Fortbildung gut strukturiert und praxisorientiert vermittelt wird, hat in Verbindung mit der Bewegungslehre nach Laban mir geholfen, mutig und frei zu werden in der Gestaltung verschiedener Stundenformate. 

Ich habe in diesen 2 Jahren viele Facetten der Tanzpädagogik kennenlernen dürfen. Viele Seminarwochenenden haben Lust auf mehr gemacht. Durch die Analyse und praktische Umsetzung verschiedener Unterrichtsmodelle sowie einer Vielzahl an Übungsformen und Beispielen bekommt man das Handwerkszeug für alle Altersgruppen einen abwechslungsreichen, kreativen Tanzunterricht zu gestalten. Besonders schön fand ich auch, dass die Dozenten immer ein offenes Ohr für alle Fragen hatten und uns unterstützt haben, wo es nur ging.

Die Fortbildung hat mich in meiner Auffassung bestätigt, dass jeder Mensch ein Tänzer ist. Eine gute Technik ist nur ein Werkzeug von vielen, insoweit wichtig, Verletzungen zu vermeiden. Das Selbst finden im Tanz, Liebe und Freude an der Bewegung, das Verbundensein mit dem Innen und dem Außen beim Tanz, das macht uns zum Tänzer.